Kryokonservierung

Die Kryokonservierung (Tiefgefrieren) von verschiedenen Zellen oder Geweben ist seit langem Standard in der Kinderwunschtherapie. Die hierfür angewandten Methoden müssen jedoch an den Zelltyp und dessen biologische Grundlagen angepasst werden.

Kryokonservierung von befruchteten Eizellen- Vorkernstadien

Die Kryokonservierung der Vorkernstadien erfolgt in unserem IVF-Labor nach dem sogenannten „langsamen Protokoll“, dies ist ein technisch und personell aufwendiges Verfahren, das mehrere Stunden dauert.

Diese Methode findet seit ca 25 Jahren weltweit Anwendung, es konnten in zahlreichen Studien bisher keine negativen Effekte auf die Gesundheit der Kinder nachgewiesen werden.

In unserem IVF-Labor werden mit der Kryokonservierung über Jahre optimale Überlebensraten von ca 80 % beim Auftauen mophologisch guter Vorkernstadien erreicht. Die Schwangerschaftsraten nach Embyrotransfer liegen in unserem Institut regelmäßig  über den Zahlen des „ Deutschen IVF-Registers“.

Durch hormonelle Vorbehandlung bei der IVF-/ICSI-Therapie gelingt es bei der überwiegenden Mehrzahl der Patientinnen, mehrere Eizellen bei der Punktion zu gewinnen.

Alle gewonnenen Eizellen werden sofort nach der Entnahme von uns untersucht und wenige Stunden später mit den Samenzellen des Partners zusammengebracht.
Dringt eine Samenzelle in eine Eizelle ein, sind bald darauf zwei Vorkerne (mütterliche und väterliche Erbanlage) unter dem Mikroskop zu erkennen. Die Eizelle hat sich befruchtet.
Mit dem Verschmelzen des mütterlichen und väterlichen Vorkerns wenige Stunden später, ist der eigentliche Befruchtungsvorgang abgeschlossen. Jetzt spricht man von einem Embryo.

In der Regel werden wenige Tage nach der Follikelpunktion zwei Embryonen (selten drei Embryonen) in die Gebärmutterhöhle zurückgesetzt (Embryotransfer).

Entstehen während der Behandlung mehr als zwei bzw. drei befruchtete Eizellen, besteht in unserem Institut die Möglichkeit diese „überzähligen“ Vorkerne nach einer aufwändigen Vorbehandlung bei -196° C tief zu frieren (Kryokonservierung). Durch lang etablierte Methoden ist es möglich, die Vorkerne in einem späteren Zyklus wieder aufzutauen und nach Weiterentwicklung zu Embryonen in die Gebärmutter der Frau zu übertragen.

Vorteil der Kryokonservierung ist die Möglichkeit des Embryotransfers ohne vorherige hormonelle Stimulation und Follikelpunktion. Dieses moderne Verfahren bietet für das Paar eine sichere, einfache und kostengünstige Möglichkeit sämtliche befruchtete Eizellen aus dem eigentlichen IVF-/ICSI-Zyklus zu nutzen.

Vitrifikation

Die Vitrifikation wird in den letzten Jahren zunehmend in der Routine eingesetzt und ist auch in unserem IVF-Labor etabliert.

Im Gegensatz zu der Kryokonservierung nach dem langsamen Verfahren, erfolgt hierbei das Einfrieren ultraschnell. Bei dieser Methode werden Zellen mit sehr hoher Geschwindigkeit (1000-20000°C/min) in Lösungen mit sehr hoher Konzentration an Kryoprotektiva eingefroren. Die Lagerung erfolgt, wie auch bei den langsamen Verfahren, in flüssigem Stickstoff bei – 196 °C. Die Methode verhindert eine Bildung von Eiskristallen in den Zellen, die diese zerstören könnten. Es kommt zu einer Verglasung (lat. Vitrum-Glas) der Zelle.

Zu empfehlen ist die Vitrifikation nach derzeitigem Wissenstand für unbefruchtete Eizellen und Blastozysten. Diese Zellen lassen sich mit dem langsamen Protokoll nur relativ schlecht einfrieren.

Kryokonservierung von Sperma, Hodengewebe

Spermien und Hodengewebe lassen sich gut mit den seit Jahren verwendeten „langsamen“ Verfahren“ der Kryokonservierung einfrieren. Die Überlebensrate nach Auftauen der Sperma-, Hodenproben wird bedingt durch die Qualität des Ausganssperma.

Testikuläre Spermienextraktion (TESE)

Unser Kinderwunschzentrum bietet Patientenpaaren, bei denen im Ejakulat des Mannes keine Spermien nachgewiesen werden können, die sogenannte Testikuläre Spermienextraktion (TESE) an.

Der mit unserem Zentrum kooperierende Urologe Herr Prof. Ikinger nimmt den dafür notwendigen, kurzen  Eingriff ambulant in unserem Zentrum vor, sodass lange Wege sowohl für das  Patientenpaar, als auch für die entnommenen Hodengewebsproben entfallen, was den Prozess optimiert.

Die Proben werden sofort nach der Entnahme aufgeteilt. Jeweils ein kleines Stück der Probe wird einer Kontrollaufarbeitung unterzogen und der Rest wird direkt eingefroren. Durch die Probenaufarbeitung können wir dem Paar in der Regel am Folgetag mitteilen, ob bewegliche Spermien zu finden waren. Die eingefrorenen Proben können dann für mehrere ICSI-Zyklen verwendet werden.

Die Ursachen für das Fehlen von Spermien im Ejakulat können vielfältig sein. In den meisten Fällen gelingt es uns durch die TESE noch bewegliche Spermien zu isolieren. Diese können dann zur Befruchtung der Eizellen eingesetzt werden. Die Befruchtungsrate der Eizellen bei Verwendung von Spermien aus Hodengewebe liegt bei ca. 50%. Die befruchteten Eizellen entwickeln sich anschließend ganz normal weiter.